Mit dem Spielzeug-Roboter Pleo erreicht das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine eine neue Qualität. WiWo-Redakteur Thomas Kuhn hatte ihn zu Gast.
Heute gehorcht Pleo besonders schlecht. Desinteressiert schlurft der Kerl aus dem Büro und stapft den Flur entlang. Entnervt stelle ich mich dem kaum 50 Zentimeter großen Dinosaurier in den Weg. Pleo stoppt, hebt den Kopf und blickt mich mit großen blauen Augen an: „Huuuh!“, kommentiert er das Hindernis. Dann schiebt er ein freundlicheres „Huhuuh!“ hinterher und wackelt in Zeitlupentempo mit dem Schwanz. Man könnte denken, er wolle sich entschuldigen.
Na also, denke ich – und wundere mich über mein Triumphgefühl. Natürlich ist der kleine Kerl, mit dem ich zur Erheiterung der Kollegen Machtkämpfe austrage, kein dem Jurassic Park entwichener Sauropode, trotz aller optischen Verwandtschaft mit einem Langhalssaurier. Er ist nicht mal ein Lebewesen. Unter seiner Gummihaut steckt ein Roboter, und der ist eine kleine Sensation.
Denn der vom kalifornischen Unternehmen Ugobe entwickelte Saurobot ist der erste bezahlbare Serienroboter, der keinem anderen Zweck dient als der Interaktion mit dem Menschen. Seine einzige Aufgabe ist es, seinem Besitzer Vergnügen zu bereiten. Damit erreicht das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine eine neue Qualität.
In den USA ist der Pleo schon Kult. Aber auch in deutschen Altenheimen wird bereits mit Roboter-Wesen experimentiert. Studien ergaben, dass vor allem Demenzkranke, die sich längst nicht mehr um ein Haustier kümmern können, mit einem Haustier-Roboter glücklicher waren.
Kann das funktionieren? Kann ein Haufen Draht mit Kabeln, einem Prozessor und einer Gummihaut tatsächlich Gefühle auslösen? Vor sechs Wochen wäre die Antwort klar gewesen: niemals. Doch dann wurde der Elektro-Vierbeiner fünftes Mitglied unserer Familie. |